Sa, 1. Februar bis Mo, 21. April 2014
Das Datum dieser Veranstaltung liegt in der Vergangenheit

Kämpfe Passionen Totentanz. Der Erste Weltkrieg im Spiegel expressiver Kunst

Werke aus der Sammlung Gerhard Schneider und aus Künstlernachlässen
2014 jährt sich der Beginn des Ersten Weltkriegs, welcher von Historikern inzwischen als »Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts« bezeichnet wird, zum einhundertsten Mal.

^
Veranstaltungsort
Kunstmuseum Reutlingen | Spendhaus
Spendhausstraße 4
72764 Reutlingen
^
Veranstalter
Katalogeinband Kämpfe Passionen Totentanz. Der Erste Weltkrieg im Spiegel expressiver Kunst
In Deutschland stand dieser erste Weltenbrand bisher in der öffentlichen Wahrnehmung im Schatten der nationalsozialistischen Diktatur und des Zweiten Weltkriegs. Dabei liegen die Ursachen für die jahrzehntelangen gesellschaftlichen und politischen Verwerfungen Europas unmittelbar in den Ereignissen und Folgen des Ersten Weltkriegs begründet.
Während man im August 1914 auf allen Seiten zunächst mit Hurra-Begeisterung ins Feld zog, war die Euphorie eines schnellen Sieges bereits nach wenigen Wochen verflogen. Mit neuen Waffensystemen setzte man sich vor allem im Westen in einem zermürbenden und bis dahin unvorstellbar verlustreichen Stellungskrieg fest. Insgesamt betrug die Zahl der Getöteten nach neuen Untersuchungen circa 17 Millionen, die der Verwundeten 20 Millionen.

Das Städtische Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen zeigt anhand von Zeichnungen, Druckgrafiken und Gemälden aus der Sammlung Gerhard Schneider, wie Künstler das Zeitgeschehen unmittelbar verarbeiteten. In der Sammlung Schneider finden sich weit über 400 kritische Bilder, die die Folgen des Kriegs zwischen 1914 und 1918 thematisieren. Mit der Kunst zum Thema Erster Weltkrieg assoziiert man überwiegend Werke beispielsweise von Otto Dix, George Grosz oder Käthe Kollwitz – und damit vor allem die kritischen Positionen, die zumeist erst nach Ende des Kriegs in der Weimarer Republik bekannt wurden. Die große Fülle und Qualität der Arbeiten aus der Hand heute wenig bekannter oder nahezu in Vergessenheit geratener Künstler, die die Ereignisse bereits während des Kriegs und meistens unter dem strengen Blick der Zensur thematisierten, steht naturgemäß in deren Schatten.
Die Ausstellung im Kunstmuseum Spendhaus macht es sich zur Aufgabe, gerade auch diese Werke vorzustellen und zu befragen. Das Spektrum des Gezeigten reicht daher von Beispielen eines unreflektierten Hurrapatriotismus über anekdotische, den Soldatenalltag verharmlosende Genredarstellungen einerseits und Motiven andererseits, die das Kriegsgeschehen symbolistisch überhöhen, bis schließlich zur kritischen Sicht auf die grausame Wirklichkeit des ersten modernen Kriegs.

Kurator: Ralf Gottschlich, Gerhard Schneider

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreiches Katalogbuch (25 Euro):
Hrsg.: Gerhard Schneider; Ralf Gottschlich, Städtisches Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen; Christiane Ladleif, Kunsthalle Jesuitenkirche Aschaffenburg; Texte: Achim Gandras, Bernd Küster, Monika Löcken, Gerhard Schneider, Claudia Schönjahn, Dietrich Schubert, Mareike Witkowski; 280 Seiten, ca. 230 überwiegend farbige Abbildungen; ISBN: 978-3-939775-40-9