Sa, 20. Oktober 2012 bis So, 13. Januar 2013
Das Datum dieser Veranstaltung liegt in der Vergangenheit

Norbert Prangenberg

Winterreise
Er wolle Bilder schaffen, die aussähen „wie vom Himmel gefallen“, hat Norbert Prangenberg einmal formuliert. Eine Ahnung davon, was er damit gemeint hat, erhalten die Besucher auch in seinen druckgrafischen Arbeiten, denen in der neuen Ausstellung des Städtischen Kunstmuseums das Hauptaugenmerk gilt. Mit den 24 Linolschnitten zu Franz Schuberts Winterreise, die im Zentrum der Ausstellung stehen, wird eine Werkgruppe gezeigt, die dem Künstler ganz besonders am Herzen lag.

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Veranstaltungsort
Kunstmuseum Reutlingen | Spendhaus
Spendhausstraße 4
72764 Reutlingen
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Veranstalter
Ausstellungsplakat Norbert Prangenberg. Winterreise.
Die Anfang 2012 vom Künstler im Handabzug gedruckten Blätter zur Winterreise sind das Ergebnis einer jahrelangen intensiven Auseinandersetzung mit dem 1827 entstandenen romantischen Liederzyklus nach Texten von Wilhelm Müller. Ergänzt werden die Winterreise-Blätter in dieser ersten musealen Ausstellung nach dem überraschenden Tod des Künstlers durch die Blätter aus einem Mappenwerk von 2006, das sich auf ein weiteres Schlüsselwerk der Romantik bezieht, auf Eduard Mörikes Gedicht Besuch in Urach, ebenfalls aus dem Jahr 1827. Beide Werkgruppen sind vor dem Hintergrund von Norbert Prangenbergs großer Affinität zur Literatur zu sehen, ob nun zeitgenössisch oder historisch. Über die Jahre hat er immer wieder Bücher und Mappenwerke zu ganz unterschiedlichen literarischen Texten geschaffen.

Vor allem sein Zugang zu Schuberts Zyklus war ein ganz persönlicher. Die melancholischen Lieder haben den Künstler seit seiner Kindheit begleitet und gewannen in den letzten Jahren unter dem Eindruck seiner schweren Erkrankung neue Bedeutung. Obwohl in diesen Arbeiten überraschenderweise immer wieder gegenständliche Versatzstücke angedeutet werden, ist seine Herangehensweise nie erzählerisch. Vielmehr nähert Norbert Prangenberg sich den Texten mit einem über die Jahre entwickelten wunderbar lyrischen Vokabular an überwiegend abstrakten Formen und Zeichen.

Norbert Prangenberg, der 1949 in Rommerskirchen im Rheinland geboren wurde, war dem Städtischen Kunstmuseum Spendhaus seit langer Zeit eng verbunden. Im Mai 1988 wurden in Reutlingen in einer legendären Ausstellung Linolschnitte von Prangenberg präsentiert. Mit der damaligen Ausstellung und dem dazu von Annie Bardon erarbeiteten ersten Werkverzeichnis trat der Künstler erstmals mit seiner Druckgrafik an die Öffentlichkeit. Zuvor war er, der zum Beispiel 1982 mit Plastiken aus Papier, Beton und Pigment und großformatigen Zeichnungen auf der documenta 7 vertreten war, ausschließlich als Maler und Bildhauer wahrgenommen worden.

In dem knappen Vierteljahrhundert, das seither vergangen ist, hat sich der Künstler, der weiterhin in den verschiedensten künstlerischen Medien arbeitete und seit 1993 eine Professur für Keramik und Glas an der Akademie der Bildenden Künste in München innehatte, immer wieder der Druckgrafik zugewandt.

In der Ausstellung werden neben den beiden genannten druckgrafischen Zyklen auch vorbereitende Arbeiten und Zustandsdrucke zu den beiden Zyklen ebenso wie frühe druckgrafische Blätter und ausgewählte Beispiele für seine keramischen Skulpturen zu sehen sein.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Kerber Verlag mit Texten von Martina Köser-Rudolph, Marcus Lütkemeyer und Petra Oelschlegel.

Ausstellung im Städtischen Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen vom 20. Oktober 2012 bis 13. Januar 2013.