Do, 13. Mai bis So, 11. Juli 2010
Das Datum dieser Veranstaltung liegt in der Vergangenheit

PRINTING IS A WAY OF LIFE

Der Drucker Josua Reichert. Jerg-Ratgeb-Preis 2010
Der Jerg-Ratgeb-Preis, der von der HAP Grieshaber Stiftung Reutlingen alle vier Jahre vergeben wird, geht 2010 an Josua Reichert. Der Drucker und Typograf, der 1937 in Stuttgart geboren wurde, studierte Ende der fünfziger Jahre bei HAP Grieshaber an der Karlsruher Akademie und lebt heute im oberbayerischen Haidholzen.

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Veranstaltungsort
Kunstmuseum Reutlingen | Spendhaus
Spendhausstraße 4
72764 Reutlingen
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Veranstalter
Plakat Josua Reichert
In der Begründung der Juryentscheidung heißt es: „Josua Reichert ist ein Grenzgänger zwischen den Kunstgattungen. Er nutzt die Möglichkeiten der Moderne im Geist der für ihn immer noch gültigen Tradition des Druckens. Auf innovative Weise spiegeln seine Arbeiten die Geschichte von Schrift, Literatur und Kunst. Seine von Beherrschung des Handwerks getragene Poesie und sein Verständnis der eigenen wie der fremden Kultur versteht er als Widerstand gegen eine Verwahrlosung, die die eigenen Wurzeln nicht mehr kennt.“

Der Jerg-Ratgeb-Preis wurde durch seine Stifter, den Holzschneider HAP Grieshaber und den Bildhauer Rolf Szymanski, erstmals 1976 verliehen und wird nun seit 1987 von der HAP Grieshaber Stiftung vergeben. Der mit 20.000 Euro dotierte Preis gehört mittlerweile zu den angesehensten Auszeichnungen für Bildende Kunst im deutschsprachigen Raum. Die bisherigen Preisträger waren Emil Schumacher (1987), Wilhelm Loth (1990), Carlfriedrich Claus (1993), Armando (1996), Walter Stöhrer (1999), Lucian Freud (2002) und Hartwig Ebersbach (2006). Nach Malern und Bildhauern wird 2010 zum ersten Mal ein Künstler geehrt, dem ähnlich wie für Grieshaber das Drucken als Zentrum seiner schöpferischen Arbeit gilt.

Die Verleihung des Preises erfolgt traditionell an Grieshabers Todestag am 12. Mai. Gleichzeitig eröffnet das Städtische Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen eine dem Preisträger gewidmete Ausstellung. Die Ausstellung des Kunstmuseums konzentriert sich auf eine Auswahl solcher Werkgruppen, die als exemplarisch für das Selbstverständnis und die Arbeitsweise des Künstlers gelten können. Im Zentrum der Ausstellung stehen seine originalgrafischen Hefte, die – oft nur in einer Kleinstauflage gedruckt – verschiedensten Themen aus der Geschichte der Typografie und der Literatur nachgehen. Diese Hefte, die gedruckte Originale, Fotos, eigene und fremde Texte vollkommen subjektiv kombinieren, erinnern an Grieshabers Zeitschrift „Engel der Geschichte“. Allerdings fügen sie sich zusammengenommen bei Reichert zu einer durchaus ungewöhnlichen Art von Autobiografie in Fortsetzungen.

Ein zweiter Schwerpunkt der Ausstellung spiegelt die Affinität Josua Reicherts zu Italien und seiner Kultur. So empfängt den Besucher im Erdgeschoss des Kunstmuseums eine neue Werkgruppe, in der der Künstler kurze Gedichte des italienischen Lyrikers Giuseppe Ungaretti gestaltete. In den rund 80 Blättern des Zyklus „Der Drucker in Italien“ führt Josua Reichert den Besucher schließlich an jene für ihn gewissermaßen heiligen Orte der Geschichte und Kultur der Schrift, des Druckens und des Büchermachens.

Kurator: Herbert Eichhorn

An Stelle eines Kataloges erscheint zur Ausstellung eine Mappe mit vier neuen bibliophilen Heften des Künstlers zum Preis von 28 Euro.