Di, 13. Oktober 2020 bis Mi, 6. Januar 2021
Das Datum dieser Veranstaltung liegt in der Vergangenheit

Andrea Staroske

sacra conversazione
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Kosten

Eintritt frei.

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Veranstaltungsort
Kunstmuseum Reutlingen | Galerie
Eberhardstraße 14
72764 Reutlingen
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Veranstalter
Andrea Staroske, Detail aus: sacra conversazione (2004)

Der Künstlerin Andrea Staroske (geb. 1965, DE) geht es stets um Erlebnisse von Zeiträumen – und in ihrer monumentalen, ortsspezifisch konzipierten Rauminstallation sacra conversazione (2004) wird sogar ein Zeitraum von vielen Jahrhunderten umfasst. Zu sehen sind zwölf große Edelstahlplatten im Hochformat, in hochglänzenden Gelb-, Grün-, Rot-, Blau- und Orange-Tönen lackiert, auch Goldmetallic ist dabei. Es handelt sich um Autolacke, die das für monochrome Malerei typische Zurückdrängen von Farb- und Formkontrasten ins Extreme treiben: Die Platten spiegeln sehr stark die Umgebung sowie ihre Betrachter*innen und irritieren durch den Gedanken, dass hier etwas zu einem Kunstwerk geworden ist, was vielleicht Teil einer Auto-Karosserie hätte werden sollen. Durch ihre Aufhängung in drei Gruppen mag man auch an verschiedene Stell-Situationen auf einem Parkplatz der verkehrsumtosten Wandel-Hallen denken.
Während eine farbliche Abfolge geparkter Autos willkürlich ist, war die Farbregie in der Renaissance-Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts – auf die hier mit den Untertiteln I (Bellini), II (van der Weyden), III (Dürer) verwiesen wird – stets Teil des Bildprogramms. „Sacra conversazione“ war damals ein verbreiteter Bildtypus: religiöse Altargemälde, auf denen eine „heilige Unterredung“ zwischen Jesus und Maria oder zwischen mehreren Heiligenfiguren nicht direkt dargestellt wurde, sondern in der Andacht imaginiert werden sollte. Die von der Künstlerin genannten Namen verweisen auf drei Gemälde, die sie sich im Original angesehen hatte: Giovanni Bellinis Madonna mit dem Kind und Heiligen (1505) in der Chiesa di San Zaccaria in Venedig, Rogier van der Weydens Kreuzabnahme (um 1440) im Museo del Prado in Madrid und Albrecht Dürers Die vier Apostel (1526) in der Alten Pinakothek in München. Alle drei Werke zeichnen sich unter anderem durch die prachtvolle Farbgestaltung und den Faltenwurf der Gewänder der Figuren aus.
Die Hauptfarben dieser Werke hat Staroske vor Ort per Farbfächer ermittelt und sie dann in ihre monochromen Autolack-Farbtafeln übersetzt. Somit sind alle zwölf Tafeln der Rauminstallation offenbar Stellvertreter von Heiligen (Jüngern Christi), die durch Zeit und Raum wandern und dabei die Gestalt wechseln. Und die Farben der Andachtsbilder der Renaissance stehen nun zugleich für einen Sakralgegenstand der Gegenwart: das „heilige Blech“, also das Auto, beziehungsweise mehrere Autos, die miteinander in heiliger Unterredung stehen. Um die Andachtsbilder in Bewegung betrachten zu können, stehen – als Bestandteile der Installation – Tretroller bereit. Dieses zeitgemäße Verkehrsmittel könnte in Zukunft dabei helfen, die enorme Luftverschmutzung durch Autoverkehr in Reutlingen zu reduzieren.


EN

The monumental artwork by Andrea Staroske from the museum’s collection of concrete art is on display at Kunstmuseum Reutlingen | Galerie, the place for which it was originally concieved.