Sa, 1. Mai bis So, 12. September 2021
Das Datum dieser Veranstaltung liegt in der Vergangenheit

Peter Buggenhout

nicht geheuer
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Veranstaltungsort
Kunstmuseum Reutlingen | konkret
Eberhardstraße 14
Wandel-Hallen
72764 Reutlingen
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Veranstalter
Plakat zur Ausstellung Peter Buggenhout. nicht geheuer im Kunstmuseum Reutlingen konkret, 2021.

Wir sind daran gewöhnt, materielle Dinge in unserer Umgebung eher nur als Werkzeuge, Vorrichtungen oder Waren anzusehen, die Dinge existieren nicht für sich selbst, sondern sind in erster Linie funktional. Weil wir zugleich jeden Tag einen Großteil der auf bildliche Repräsentationen reduzierten Welt elektronisch restlos verwerfen, ist unsere Erfahrung zunehmend entkörperlicht und ortlos. Diesbezüglich scheinen uns die Plastiken des international renommierten Bildhauers Peter Buggenhout (BE, geb. 1963) vehement zu entgegnen, dass auch wir nur ein physisches und vergängliches Ding unter Dingen sind. Sie stellen das absolute Gegenteil der digitalen Welt des schnellen Erscheinens und Verschwindens dar, weil sie von allen Seiten in ihrer Materialität erkundet werden wollen und als seltsame Gegenüber im Raum dauerhaft und unmittelbar ihr Anderssein behaupten.

Buggenhouts Plastiken bestehen aus weggeworfenen Resten und Abfallstücken, also aus Dingen, die ihre instrumentelle Form in der Vergangenheit verloren und dabei – wie man in der opulenten Überblicksausstellung im Kunstmuseum Reutlingen | konkret sehen kann – ein neues Wesen gewonnen haben. Zum Einsatz kommen ausrangierte Regalteile, Kunststoffrohre, Zeltplanen, Steppdecken, Marmorplatten, Wellpappe von Verpackungskartons, Metallstreben von Jalousien, das Glas eines Schaufensters, der Staub aus einem Industriesauger – aber auch organische Materialien wie etwa Schweineblut, Kuhmägen oder Pferdehaar. Solche Elemente fügt der Künstler zu hybriden Haufen, Konglomeraten oder Korpussen und zeigt, dass das Weggeworfene nicht verschwunden, sondern zombiefiziert zurückgekehrt ist. Es lässt an Reste unbekannter Organismen oder an Ruinen rätselhafter Maschinen oder Apparaturen denken, in erster Linie aber präsentiert es sich nun als ein autonomes Gegenüber, das uns in seinem Widerspruch aus Ähnlichkeit und Andersartigkeit nicht geheuer sein kann.

Die enorme Physis dieser Plastiken – die zuweilen auch sonderbare Gerüche verströmen – zieht zwar sofort die Aufmerksamkeit auf sich, dennoch nähert man sich ihnen nur vorsichtig, weil sie eine potenzielle Gefahr darstellen könnten. Durch diese gleichzeitige Anziehungs- und Abstoßungskraft schaffen es Buggenhouts Werke spielend, den umgebenden Raum mit einer abgründigen Atmosphäre aufzuladen. An jeder Stelle dieser faszinierenden Plastiken tritt etwas Ungeheures hervor, das offenbar ganz dicht unter der Oberfläche der materiellen Welt liegt.
 
Kurator: Holger Kube Ventura
Zur Ausstellung erscheint der Katalog Peter Buggenhout: nicht geheuer (2021).

EN

Internationally renowned sculptor Peter Buggenhout (BE, born 1963) describes his hybrid sculptures as "abject things" that reject any classification, including those as artistic works: found objects, waste and technical but also organic materials such as pig's blood, cow's stomachs and horsehair are joined and worked on until a certain degree of abstraction is achieved, which still tempts identification but at the same time prevents it. Buggenhout's sensual sculptures therefore appear as essential counterparts that are uneasy and odd. For this major exhibition in Reutlingen, the artist produces a new group of works from the "eternal material" that has been wandering through the ages: marble.
In cooperation with the artist and W&W ModernMedia, Kunstmuseum Reutlingen | konkret produced an informative short film on Buggenhout's œuvre which is permanently available on the museum's YouTube channel.

Zur Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Künstler und W&W ModernMedia ein Kurzfilm, der einen informativen Einblick in das Œuvre Peter Buggenhouts bietet: